Bundesplatz 14
10715 Berlin
U + S-Bhf Bundesplatz (U9 - S 41,42,46)
Bus 248, N9
Tel.: 030 / 85 40 60 85
Saal ist barrierefrei
Europa Cinema
Eintrittspreise:
-Erwachsene 9,-- €
-Kinder (bis 12 J.) 5,-- €
-ermäßigt 8,-- €
-Kinotag: Mittwoch 7,-- €
Keine Karten- nur Barzahlung
Wir zeigen heute,
Samstag, den 02.03.2024:


13:00 Bundesplatz-Kino:
Munch

15:30 Bundesplatz-Kino:
Die verkaufte Braut (1932)

17:45 Bundesplatz-Kino:
Geliebte Koechin

20:30 Bundesplatz-Kino:
Poor Things

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Impressum

Eva-Lichtspiele
ZWISCHEN KRIEGSENDE UND NEUANFANG: Die Kinokultur der Alliierten in Berlin 1945/46

Ihr erstes Rendezvous (1941)

Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
 
Sonntag, 3. Dezember, um 15.30 Uhr

Finissage der Filmreihe - 35mm-Vorführung!

Einführung: Frederik Lang, Kurator der Reihe

Vorprogramm
Welt im Film Nr. 58 D (West) 1946, 20‘ · 35mm


F 1941, R: Henri Decoin, B: Henri Decoin, Michel Duran, D: Danielle Darrieux, Fernand Ledoux, Louis Jourdan, 105‘ · 35mm, deutsche Synchronfassung von 1942

Vom französischen Filmverleih als „ersten französischen Spielfilm in deutscher Sprache“ nach dem Krieg angekündigt, läuft die hinreißende Verwechslungskomödie "Premier rendez-vous" ab dem 3. Juli 1946 in Berlin. Allerdings handelte es nicht um eine neu hergestellte Synchronfassung, sondern um die NS-Synchronfassung aus dem Jahr 1942, die bereits erfolgreich in den deutschen Kinos gelaufen war. Dass es sich bei der schmissigen Liebeskomödie um ein entflohenes Waisenmädchen, das bei einem schüchternen Lehrer Unterschlupf findet und sich in dessen Schützling verliebt, zudem um die während der deutschen Besatzung Frankreichs hergestellte Produktion einer Ufa-Tochterfirma handelt, macht die Sache noch pikanter. Aber das Publikum war beglückt.
Die Welt im Film zeigt die Gedenkfeier für den im amerikanischen Exil verstorbenen Theaterregisseur Max Reinhardt, die Ernährungskonferenz in Hamburg sowie die Aussagen von Albert Speer und Franz von Papen beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess.

Zwischen Kriegsende und Neuanfang
Die Kinokultur der Alliierten in Berlin 1945/46


Der Hunger nach Bildern war immens. Nach Bildern, die für kurze Zeit die aus Trümmern, Zukunftsangst und Not bestehende Wirklichkeit verdrängten, mit den wahlweise als Besatzer oder Befreier empfundenen sowjetischen Soldaten. Hinzu kam ein Verlangen nach anderen Bildern als jenen der vergangenen 12 Jahre nationalsozialistischer Herrschaft und Filmproduktion.
Bereits wenige Tage nach Einstellung der Kampfhandlungen am 2. Mai 1945 boten in Berlin wieder einzelne Kinos Filmprogramme an. Ende Mai waren es schon über 30 Kinos, und ihre Säle waren voll. Zunächst schien es das Publikum nicht zu stören, dass sowjetische Filme nur in russischen Sprachfassungen gezeigt wurden, neben einigen erbeuteten Kopien amerikanischer Filme aus Goebbels Reichsfilmarchiv. Mit der Ankunft der Amerikaner, Briten und Franzosen im Sommer 1945 wurde das Angebot diverser und die Programmarbeit professioneller. Bald standen auch Filme mit Untertiteln und deutschsprachige Synchronfassungen zur Verfügung, die den Bedürfnissen der Zuschauer entgegen kamen. Als harmlose Unterhaltung eingestufte deutsche Filme aus nationalsozialistischer Produktion ergänzten die Spielpläne.
Der Viermächtestatus Berlins wirkte sich auf das gesamte Kulturangebot der Stadt aus, in der die vier Alliierten ab Herbst 1945 förmlich um das beste Kinoprogramm wetteiferten. Allerdings waren die Interessen der Besatzungsmächte und des Publikums nicht immer deckungsgleich. Einerseits diente das Kino der Erholung von Sorgen und Strapazen des Alltags. Andererseits wurden die Besucher auf der Leinwand mit den im Namen von Volk, Nation und Führer verübten Gräueltaten konfrontiert, und die Alliierten warben für die Segnungen der Demokratie oder die Errungenschaften des Sozialismus.
Daneben gab es zaghafte Versuche, einen „neuen“ deutschen Film aufzubauen. Es entstanden kurze Kultur- und Animationsfilme, im Februar 1946 erschien die erste deutsche Nachkriegs-Wochenschau Der Augenzeuge. Wenige Monate später, im Mai folgte die Gründung der DEFA, deren erster Spielfilm, Wolfgang Staudtes Die Mörder sind unter uns, bereits in Arbeit ist.

Die Retrospektive Zwischen Kriegsende und Neuanfang. Die Kinokultur der Alliierten in Berlin 1945/46 lädt dazu ein, die alliierte Kinokultur im Berlin der unmittelbaren Nachkriegszeit kennenzulernen. Sie rekonstruiert historische, aus Wochenschau, Kulturfilm und Hauptfilm bestehende Programme, die in dieser Zeit des Übergangs zu sehen waren, beginnend mit der Befreiung und Besetzung Deutschlands im Mai 1945 bis zur Premiere von Die Mörder sind unter uns im Oktober 1946. Die von Frederik Lang kuratierte Filmreihe führt die unterschiedlichen, film- und kulturpolitischen Ansätze der vier Besatzungsmächte vor Augen. Ebenso erinnert sie daran, dass die Kinos der Nachkriegszeit zugleich Orte der Unterhaltung, der Zuflucht und des Lernens waren und dem Publikum als bitter nötiges Fenster in die Welt dienten.
Die Vorführungen der von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt geförderten Filmreihe finden im Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum statt und an „Originalschauplätzen“ im Kino Krokodil und im Bundesplatz-Kino, die bereits 1945/46 unter den Namen Nord-Lichtspiele und Lichtspiele am Kaiserplatz ihr Publikum unterhielten. Eine Begleitpublikation zur Filmreihe erscheint im Verlag SYNEMA (Wien).


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