Bundesplatz 14
10715 Berlin
U + S-Bhf Bundesplatz (U9 - S 41,42,46)
Bus 248, N9
Tel.: 030 / 85 40 60 85
Europa Cinema
Eintrittspreise:
-Erwachsene 8,-- €
-Kinder (bis 12 J.) 5,-- €
-ermäßigt 7,-- €
-Kinotag: Mittwoch 6,-- €
Wir zeigen heute,
Samstag, den 25.05.2019:


12:30 Bundesplatz-Kino:
Aischa, der Tanz und wir

15:30 Bundesplatz-Kino:
Erinnerungen und Entwicklungen in Siebenbuergen

18:00 Bundesplatz-Kino:
Der Flohmarkt von Madame Claire

20:30 Bundesplatz-Kino:
Das Ende der Wahrheit

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Impressum

Eva-Lichtspiele
Schönes und auch witziges Dokumentarfilm-Debüt von VALESCA PETERS!

Helmut Berger, meine Mutter und ich

 
Demnächst noch einmal!

Einer der großen Exzentriker des internationalen Kinos steht im Mittelpunkt von Valesca Peters „Helmut Berger, meine Mutter und Ich“, der beschreibt, wie die Mutter der Regisseurin Kontakt zu Berger aufnimmt. Ein ungewöhnlicher Ansatz, der zu einigen interessanten Fragen über das Wesen des dokumentarischen Kinos führt, vor allem aber von der Präsenz Bergers lebt.

Deutschland 2019, Dokumentarfilm
Regie & Buch: Valesca Peters
92 Minuten
Verleih: Salzgeber

Von der Rettung einer Diva
Bettina Vorndamme, die Mutter der Filmemacherin und eine resolute Niedersächsin, hat sich in den Kopf gesetzt, dem vereinsamten Star Helmut Berger wieder auf die Beine zu helfen.
Filmkunst, Preise, Feste, Jet-Set: Helmut Berger war ganz oben. Und landete ganz unten: Vermögen verjuxt, Alkohol und schmale Rente, erratische Auftritte, von den Medien als wirrer Opa herumgereicht. 2015 dann der Skandal um den Dokumentarfilm HELMUT BERGER, ACTOR: Das Management schritt ein, der Film bleibt unter Verschluss. 2017 schließlich die Versöhnung mit der Kunst: Berger, mittlerweile angeblich nüchtern und wieder gut beisammen, gibt an der Volksbühne sein Bühnendebüt - in einer Inszenierung des Filmauteurs Albert Serra.
Valesca Peters’ Dokumentarfilm erzählt die Vorgeschichte dieses unerwarteten Comebacks. Wir lernen Bettina Vorndamme kennen, die Mutter der Filmemacherin, eine resolute Niedersächsin, die sich spontan in den den Kopf gesetzt hat, dem vereinsamten Star wieder auf die Beine zu helfen. Aus Salzburg holt sie ihn kurzerhand nach Nordsehl. Die Tochter soll darüber einen Film drehen.
Leicht gesagt, nicht leicht getan. Denn Berger ist zwar freundlich und dankbar - aber eben auch eine krisenanfällige Diva, die ihr Umfeld stark beansprucht.
Sehr schön ist, wie Peter in ihrem behutsamen Film dem gefallenen Engel wieder ein Stück jener Würde verleiht, die ihm der Boulevard genommen hat. Berger erscheint fragil, verletzlich, aber auch gewiss in seinem Mut, es mit der Karriere nochmal zu versuchen.
Am Ende: Applaus im Berliner Theater. Bettina Vorndamme ist da schon längst wieder zuhause, in Nordsehl. Sie und Berger sind im Streit auseinandergegangen.
Thomas Groh in INDIEKINO BERLIN, Ausgabe März 2019

Richtigerweise hatte Vorndamme erkannt, dass man Bergers Eitelkeit schmeicheln müsste und hatte ihm ein Filmprojekt unterbreitet, ein Drehbuch versprochen, dass die Tochter verfilmen sollte. Erste Treffen in Paris verliefen vielversprechend und bald freundete sich auch Valesca Peters mit dem Gedanken an, ihren ersten dokumentarischen Langfilm über Berger zu drehen.
Doch statt an Berger entsprechenden, mondänen Orten wie Paris oder der Côte d’Azur fanden die Dreharbeiten auf dem flachen Land in Niedersachsen statt, in Vorndammes Haus. Dorthin hatte sie Berger eingeladen, der postwendend für mehrere Monate Gast auf dem Dorf war. Wie ein ganz gewöhnlicher Hausgast scheint Berger agiert zu haben, zumindest, wenn keine Kamera lief. Sobald jedoch die Kamera auf ihn gerichtet war, sobald Peters Fragen stellte, dem Menschen hinter dem Star näherkommen wollte, hatte sie das Gefühl, dass sich Berger hinter einer künstlichen Fassade zurückzog.

Um diese zu durchbrechen, nahm sie die Gespräche fortan nur noch mit einem Aufnahmegerät auf, formte die so erhaltenen Einblicke zu einem Text, den Berger dann rezitierte. Erst durch diese artifizielle Konstruktion öffnete sich Berger, zumindest ein wenig. Allzu sehr lässt er sich jedoch nicht entlocken und so lebt Peters Film in erster Linie von der ungewöhnlichen Konstellation an sich: Ein - ehemaliger - Weltstar, der sich einst in der Welt der Reichen und Schönen bewegte, und sich nun in einem niedersächsischen Reihenhaus wiederfindet.
Durch diese Nähe entsteht eine für einen Dokumentarfilm ungewöhnliche Situation, die Peters mit der Frage konfrontiert, wie sehr sie sich als eigentlich zur distanzierten Objektivität verpflichteter Beobachterin, in das Leben Bergers einbringen darf. Zumindest angerissen wird diese Frage, doch am Ende von „Helmut Berger, meine Mutter und Ich“ bleibt vor allem der exzentrische, streitbare Helmut Berger in Erinnerung, der nicht immer glücklich damit wirkt, allein vom einstigem Ruhm zu zehren.

Programmkino.de, Michael Meyns